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Der Kalte Krieg – Ursachen, Definition und Hintergründe einer Epoche

Sovjetische Panzer üben zur Zeit des Kalten Kriegs für den Ernstfall
Sovjetische Panzer üben zur Zeit des Kalten Kriegs für den Ernstfall

Der Begriff „Kalter Krieg“ geht bereits auf das Jahr 1947 zurück. Die Frage, ob der Kalte Krieg eigenständig betrachtet werden kann, ist umstritten. Manche Historiker lehnen den Begriff ab und meinen, er könne nur im Zusammenhang mit dem ihn umspannenden Ost-West-Konflikt greifbar gemacht werden. Die meisten Geschichtswissenschaftler verwenden den Begriff allerdings, um die außerordentliche Spannungsphase zwischen 1949 und 1990 zu charakterisieren, als die Auseinandersetzungen zwischen Ost und West eine spezifische Qualität erreichten. Lesen Sie mehr über die geschichtlichen Erklärungsansätze und darüber, wie der Kalte Krieg im Verhältnis zum Ost-West-Konflikt zu sehen ist.


Der Begriff des „Kalten Kriegs wurde 1947 vom amerikanischen Publizisten Walter Lippmann mit der Veröffentlichung seines Buchs „The Cold War in die öffentliche Diskussion eingebracht. Es wird angenommen, dass Lippmann selbst den Begriff übernahm, der ursprünglich auf den Redenschreiber und Journalisten Herbert B. Swope zurückgehen soll. „Kalter Krieg wird heutzutage vielfach als Schlagwort verwendet. Die Bezeichnung ist aber in den historischen Wissenschaften immer noch umstritten und Gegenstand vielfältiger Kontroversen.

„Kalter Krieg“ oder „Ost-West-Konflikt“?

Unumstritten bleibt, dass der Kalte Krieg Teil eines umfassenden Ost-West-Konflikts war und innerhalb dieses Konflikts einen Zeitabschnitt zwischen 1945 und 1990 bezeichnet. Ob eine weitere Untergliederung des Ost-West-Konflikts in diesen Zeitabschnitt allerdings sinnvoll oder gar zulässig ist? Diese Frage bleibt unter Historikern umstritten. Einige Vertreter der Zunft nehmen keine Unterscheidung mehr zwischen dem Ost-West-Konflikt und dem „Kalten Krieg vor. Zu komplex und weitumfassend erscheinen diesen Geschichtswissenschaftlern die Wirkungsmechanismen innerhalb des Ost-West-Konflikts. Sie nehmen deswegen keine Untergliederung des Ost-West-Konflikts in die Zeit des „Kalten Kriegs vor und wollen diesen Abschnitt nicht als eigenständige Formel stehen lassen.

Die meisten Historiker nehmen diese Untergliederung aber dennoch vor, um die spezifische Qualität des Ost-West-Konflikts herauszuheben. Denn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts traten die Auseinandersetzungen zwischen Ost und West in eine „heiße Phase ein, es herrschte ein permanenter „Nicht-Frieden“, der sich in dieser außerordentlichen Spannungsphase in einer totalen politisch-ideologischen, ökonomischen, technologisch-wissenschaftlichen und kulturell-sozialen Auseinandersetzung manifestierte. nach oben ↑

Der Ost-West-Konflikt als Hintergrund

Portrait von James Monroe
Die Verkündung 1823 der, nach dem 5. Präsidenten der USA Monroe benannten, Doktrin führte zur zunehmenden Verschärfung des Ost-West-Konflikts | Forolizenz: Public Domain

Wenn der Kalte Krieg als eigenständiger Zeitabschnitt benannt und betrachtet wird, ist es dennoch essenziell, die Grundlagen des Ost-West-Konflikts in seiner Gesamtheit zu kennen. Dieser Konflikt begründet sich im Kern als Auseinandersetzung der Ideologien und „Kampf“ zweier gegensätzlicher, unvereinbarer Gesellschaftsmodelle: Der staatssozialistischen Volksdemokratie gegen die liberalkapitalistisch-parlamentarische Demokratie. Beide Seiten beharrten dabei auf der Überlegenheit ihres Systems und der globalen Anwendbarkeit ihres Gesellschaftsentwurfs, mit dem man die Welt besser machen“ wollte.

Die Wurzeln des Ost-West-Konflikts reichen bis ins 18. und 19. Jahrhundert zurück. Schon damals sahen führende Intellektuelle einen Konflikt zwischen „asiatisch-russischer“ und „westlicher“ Zivilisation aufkommen: den Gegensatz von amerikanisch-westlicher Demokratie und monarchischem Russland. In der Realpolitik äußerte sich dieser Gegensatz schon früh. Ein Beispiel stellt die Verkündung der Monroe-Doktrin 1823 dar, die Kampfansage des amerikanischen Präsidenten an die Despoten in der Welt. Die Monroe-Doktrin spielte als außenpolitische Leitlinie auch im Kalten Krieg eine wichtige Rolle. Auf dem Schlachtfeld manifestierte sich der Machtkonflikt zwischen Ost und West schon im 19. Jahrhundert, als Großbritannien und Frankreich die Versuche Russlands in den beiden Krim-Kriegen 1854 und 1856 abwehrten, sein Territorium um Gebiete des zerfallenden Osmanischen Reichs zu erweitern.

Der Beginn des eigentlichen Ost-West-Konflikts wird an der Russischen Revolution von 1917 festgemacht, die den machtpolitischen Konflikt um eine ideologische Komponente ergänzte. Es entstand der schon angesprochene Systemkonflikt zwischen dem kommunistischen Modell der staatssozialistischen Volksdemokratie und dem westlichen Modell der liberalkapitalistischen-parlamentarischen Demokratie. Dieser schaukelte sich immer weiter auf und endete in der bipolaren Konfrontation zwischen den Führungsmächten Sowjetunion und USA während des Kalten Kriegs. In dessen Verlauf ordneten sich die meisten Staaten der Welt einem der Machtblöcke zu. nach oben ↑

Erklärungsansätze zur Entstehung des Kalten Kriegs

Berliner-Mauer-1973
Die Berliner Mauer – Symbol des Kalten Kriegs ab 1961. Die Entstehung des Konflikts erklären mehrere Theorien, die untereinander um Gültigkeit konkurrieren | Foto: Karl-Ludwig Lange, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zur Entstehung des Ost-West-Konflikts und des Kalten Kriegs existieren verschiedene Theorien, die miteinander in Konkurrenz stehen. Nach der „traditionellen Vorstellung“, die auf den jugoslawischen Kommunismus-Kritiker Milovan Djilas zurückgeht und vor allem in den 40er und 50er Jahren populär war, verpflichtete die marxistische Ideologie mit ihrem Anspruch auf Weltrevolution die russische Außenpolitik auf einen aggressiven Kurs gegen den Westen.

Der traditionelle Erklärungsansatz steht im Widerspruch zur „Revisionistischen Erklärung“, die vor allem vom (Ex-)Marxisten David Horowitz und US-Historiker William A. Williams vertreten wird. Die beiden Intellektuellen betonen die amerikanische Verantwortung für den Konflikt seit den 60er Jahren. Die auf permanente Expansion ausgerichtete Struktur der US-Wirtschaft sei die eigentliche Ursache für den Kalten Krieg, da immer neue Absatzmärkte (in Osteuropa) erschlossen werden müssten. Die Kompromissbereitschaft Stalins wäre so ad absurdum geführt worden, als die UdSSR geschwächt aus dem 2. Weltkrieg hervorging und vorrangig auf die Sicherung des bestehenden Staates aus gewesen sei.

In der „Postrevisionistische Erklärung“ näherten sich beide Seiten schließlich einander an. Schuld (besonders an den Ereignissen im Kalten Krieg) trügen beide Seiten. Die Fehlinterpretation der Lage und verschiedene Missverständnisse auf beiden Seiten hätten zu einer bedrohlichen Zuspitzung des Konflikts ab 1949 geführt. Fortgesetzte Fehleinschätzungen beider Seiten hätten ständig falsche Entscheidungen provoziert, was den Konflikt immer weiter aufgeschaukelt habe.

Abschließend sei angemerkt, dass viele Fragen um die Entstehung und Hintergründe des Kalten Kriegs und des Ost-West-Konflikts bis heute nicht vollständig geklärt sind. Neueste Erkenntnisse, auch zur Kuba-Krise, die die Archivöffnungen ab 1990 gewinnen lassen konnten, weisen allerdings auf eine hohe Plausibilität der Postrevisionistischen Erklärung hin, da aus den Akten immer mehr Missverständnisse offensichtlich werden.

 

 

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