Interview mit Robin Brunold in Nomen Nominandum, 2. Ausgabe 2015

Beitrag vom 11. Oktober 2015 | verfasst von Nomen Nominandum


NomenNominandum Pünktlich zum Start des Wintersemesters 2015/16 ist am Historischen Seminar der Ludwig Maximilians Universität die neueste Ausgabe der „Nomen Nominandum“ erschienen, das Magazin der Fachschaft Geschichte und Kooperationspartner von Geschichte-Lernen.net. Neben interessanten Beiträgen beispielsweise zum Krieg in der Ukraine gibt es in der aktuellen Ausgabe der Nomen Nominandum noch mehr zu lesen: Ein Interview mit dem Autor und Leiter von Geschichte-Lernen.net, Robin Brunold. Alle geschichtsinteressierten Münchner sollten sich die aktuelle Ausgabe im Foyer des Historicums an der LMU holen. Für alle anderen veröffentlichen wir das Interview natürlich auch auf Geschichte-Lernen.net. Das Interview führte Redaktionsleiterin Elsbeth Föger von Nomen Nominandum.


NomenNominandum (NN): Es gibt unzählige Blogs, die sich mit Geschichte auseinandersetzen. Warum noch einer?

Robin Brunold: Gibt es überhaupt so viele? In der Google-Suche sind die nicht sonderlich präsent. Das war aber für mich nie ein Thema. Ich wollte einfach mal was machen, was mit meiner großen Leidenschaft – Geschichte – zu tun hat. Vor allem, seitdem ich intensiver mit Online und Suchmaschinenoptimierung zu tun habe. Und das Interesse der Leute ist da. Da kann man viel Traffic abgreifen. Vor kurzem hatten wir einen Artikel über Gaius Julius Caesar. Danach suchen bei Google monatlich über 17.000 Leute!

NN: Dein Blog ist sehr allgemein gehalten – Artikel über Cäsar findet man dort genauso wie über den Vertrag von Verdun oder die Kubakrise. Warum habt ihr euch nicht spezialisiert?

Ich sehe keinen Vorteil darin, das Themenspektrum zu sehr einzuschränken. Wir wollen einen allgemeinen Anspruch bieten. Grundsätzlich lesen den Blog auch viele junge Menschen, die sich breit informieren wollen – etwa Schüler.

NN: Woher weißt du das?

Genau weiß ich es nicht. Google ist noch nicht so weit, dass man die Zielgruppe hundertprozentig analysieren kann. Die Besucherzahlen sind während der Ferien um einiges geringer – das deutet ja stark darauf, dass viele Schüler unsere Beiträge lesen.

NN: Wie geht es euch mit der Interaktion mit den Usern?

Damit haben wir nicht so gute Erfahrungen gemacht. Das Feedback ist zur Zeit relativ gering, weswegen wir an dem Ausbau unserer Facebook-Fanpage und dem Newsletter und seiner Reichweite arbeiten. Aber ich muss auch dazusagen, dass ich die Kommentare unter den Artikeln deaktiviert habe.

NN: Warum das?

Gerade im geschichtlich-politischen Bereich sind im Internet viele Verschwörungstheoretiker unterwegs. Wenn man deren diffusen Kommentare dann löscht, kommt sehr schnell der Zensurvorwurf. Das möchte ich vermeiden. Kommentieren können die Leute auf Facebook. Aber auch dort gibt es Trolle. Manche behaupten zum Beispiel, dass die DDR gar nicht an ihren strukturellen Problemen zugrunde gegangen ist. Dass alles von langer Hand vom KGB geplant wurde.

NN: Auf solche Diskussionen lässt du dich ein?

Begrenzt, ja. Aber die meisten Leute kann man nicht überzeugen, wenn sie schon so tief in ihrer Verschwörungswelt drin sind. Das ist eine Aufgabe, die ich nicht wahrnehmen kann und will.
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Wie sieht sonst dein Blogger-Alltag aus?

Für den Blog schreibe ich parallel zu meiner Arbeit – abends oder am Wochenende. Noch habe ich den Vorteil, dass ich auf Material zugreifen kann, das ich mir während meines Studiums erarbeitet habe. Seminararbeiten, meine Magisterarbeit, meine Prüfungsunterlagen… Das kann ich leicht aufbereiten. Klar ist es manchmal anstrengend. Aber es ist auch eine schöne Abwechslung zu meiner Arbeit in einer Werbeagentur. Dort hat man nicht immer so wahnsinnig spannende Themen: Werbung für Reinigungsdienstleistungen, Schönheitschirurgen… Auf meinem Blog kann ich mich verwirklichen. Das ist etwas, was nur mir selbst gehört.

NN: Du arbeitest bei einer SEO-Agentur. Welche Tipps hast du für junge Blogger, um mit ihren Inhalten bei Suchmaschinen möglichst weit oben aufzutauchen?

Das Wichtigste ist, dass die Inhalte gut sind – und gut aufbereitet. Auf jeden Fall sollte man Textwüsten vermeiden. Das ist der häufigste Fehler, den ich auf anderen Geschichteblogs sehe. Lange Texte gehen schon im Internet, aber sie müssen dafür konzipiert sein. Das heißt, man muss den Text auflockern mit Bildern und Zwischenüberschriften. Ab 1000 Wörtern ist ein anklickbares Inhaltsverzeichnis mit den Zwischenüberschriften absolute Pflicht. Den Technik-Aspekt der Suchmaschinenoptimierung kann man sich selbst beibringen. Man sollte etwa möglichst mit WordPress bloggen – dieses Content Management System nimmt einem schon mal mindestens 70 Prozent der technischen SEO-Arbeit ab. Niemand muss am Anfang perfekt sein! Das Wichtigste ist Lernbereitschaft.

NN: Bevor man einen Blog in Angriff nimmt, muss man sich auch juristisch schlau machen. Tipps?

Man braucht unbedingt ein Impressum. Wichtig ist auch, auf korrekte Bilderlizenzen zu achten. Man darf auf keinen Fall ein Foto veröffentlichen, von dem man sich nicht sicher ist, ob man die Rechte hat. Eine Abmahnung ist sehr, sehr teuer – 500 Euro kostet das mindestens. Das weiß ich leider aus eigener Erfahrung. Auf eine andere meiner Websites hatte ich einmal ein Bild vom Bilderportal Pixelio reingestellt. Google hat das Foto indiziert und dann tauchte es in der Google-Bildersuche auf, wo es der Fotograf gefunden hat. Sofort wurde ich abgemahnt.

NN: Womit wir bei der Budget-Frage wären: Kann man mit redaktionellen Inhalten im Internet überhaupt Geld verdienen?

Schwer. Man kann natürlich klassische Bannerwerbung schalten. Wir von geschichte-lernen.net versuchen aber, eine „Premium-Partnerschaft“ mit einem Unternehmen einzugehen, die transparent auf dem Blog dargestellt wird. Dafür braucht man eine gewisse Grundreichweite. Aber wenn man die hat, hat man bessere Chancen. Möglich ist auch sogenanntes Affiliate-Marketing: Man verlinkt Produkte von Online-Shops. Im Falle eines Kaufs bekommt man dann eine kleine Provision.

NN: Für einen Mittelalter-Shop, der historisch hanebüchene Kleider verkauft, würdest du dann also auch Werbung machen?

Warum nicht? Solange das ordentlich gekennzeichnet ist, sehe ich darin kein Problem. Wenn der Shop aber ein unseriöses Geschäftsmodell hat (Abzocke, Betrug, Spam), kommt Werbung für mich nicht in Frage.

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