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Frauenjournalismus, Teil 2 – Politischer Frauenjournalismus im 19. Jahrhundert

Ein Gemälde alter Schreibutensilien mit Kerze und Schatulle
Alte Schreibutensilien | © Daniela Dirscherl / pixelio.de

Nachdem im ersten Teil zum Frauenjournalismus schreibende Frauen im 18. Jahrhundert vorgestellt wurden, dreht sich dieser Beitrag nun um den politischen Frauenjournalismus im 19. Jahrhundert. So gab es den Ruf nach Meinungs- und Pressefreiheit bereits in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts. Doch bis zum 17. März 1848, an dem die Karlsbader Beschlüsse von 1819 aufgehoben wurden, blieben diese Forderungen unerfüllt und Verbote und Zensur behinderten die Entwicklung der Presselandschaft. Bis zu dieser Zeit waren schriftstellerisch und journalistisch tätige Frauen in der Minderheit.

Durch die Pariser Revolution 1830 gelangten deren Ideale zunehmend nach Deutschland und erreichten auch die Frauen. Im Zuge des Vormärzes in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts und der sich ausbreitenden liberalen Opposition gegen die Zensur, den Obrigkeitsstaat und die sozialen Unterschiede traten auch Frauen immer mehr in die Öffentlichkeit. Diese meldeten sich vor allem mithilfe von sozialkritischen Gedichten und Romanen zu Wort. Die Frauen behandelten in ihren Schriften folgende Schwerpunkte: Die mangelhafte Bildung der Frauen, die Ehe, die politische Teilhabe und mangelnde berufliche Absicherung.

Bildung und Berufe von Frauen im 18. und 19. Jahrhundert

Der Hintergrund für diese Forderungen war die extrem schlechte Bildung der Mädchen. Dazu gehörten Handarbeiten, Französisch, Musizieren und Tanzen. Dieser Umstand brachte die Frauen in eine ständige Abhängigkeit von ihren Ehemännern und – wenn sie unverheiratet oder verwitwet waren – von ihrer Familie. Im Bürgertum war eine arbeitende Frau sehr ungern gesehen. Katrin Straßer legt dar, dass diese die „Kreditwürdigkeit“ des Mannes in Zweifel zog und die Chancen einer ledigen Frau auf einen Ehemann stark verminderte.
Die wenigen berufstätigen Frauen aus der bürgerlichen Schicht arbeiteten in den typisch „weiblichen“ Berufen, d. h. sie übten vor allem ehrenamtliche Tätigkeiten im sozialen Bereich aus oder verdingten sich als Gouvernante. Aufgrund der fehlenden Ausbildung konnten sie keine klassischen bürgerlichen Berufe ausüben. Die schreibende Frau wurde soweit akzeptiert, wie sich diese Tätigkeit gut mit ihren primären Aufgaben im Haus und der Familie vereinbaren ließ. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts nahm jedoch die Zahl der schriftstellerisch tätigen Frauen zu, welche dies als Beruf ausübten und ihr eigenes Einkommen damit verdienten.
Während des Vormärzes und vor allem während der Revolution vermehrte sich die Zahl journalistisch tätiger Frauen weiter. Doch sie traten nicht nur durch die Presse in die Öffentlichkeit: Die Frauen nahmen aktiv am Revolutionsgeschehen teil. Sie gründeten Frauenclubs, gingen bei Demonstrationen mit, besuchten die Volksversammlungen, halfen beim Barrikadenbau oder kämpften auch auf diesen, wie aus Berlin, Dresden, Wien und Rastatt bekannt ist.
Sie traten mit ihren Schriften für ihr Geschlecht ein. Zum ersten Mal gaben Frauen politische Zeitungen heraus, in denen sie Kommentare zur Politik verfassten und sich mit der Ungleichheit zwischen der sozialen Stellung von Männern und Frauen auseinandersetzten. Es waren Zeitschriften von selbst betroffenen Frauen, die für mehr Anerkennung und Gleichberechtigung kämpften.
Hier sollen die drei ersten politischen Frauenzeitungen und ihre Herausgeberinnen kurz vorgestellt werden. Die „Frauen-Zeitung“ von Louise Otto-Peters, die kurz nach der „Sozialen Reform“ von Louise Dittmar erschien, wird in einem gesonderten Kapitel eingehend untersucht. nach oben ↑

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Mathilda Franziska Anneke

Portraitmalerei von Mathilde Franziska Anneke um 1840 mit geflochtenen Zöpfen
Mathilde Franziska Anneke um 1840

Mathilda Franziska Anneke war die erste Frau, die eine politische Frauenzeitschrift herausgab. Die erste Ausgabe ihrer „Frauen-Zeitung“ erschien am 27. September 1848. Die Zeitschrift kann eher als eine Fortsetzung der „Neuen Kölnischen Zeitung“ gesehen werden, die sie, bis zur Inhaftierung ihres Mannes aus politischen Gründen, mit ihm zusammen herausgab. Die „Frauen-Zeitung“ umfasste vier Seiten auf denen neben Artikeln, die der Belehrung und Aufklärung dienten, auch die Tagespolitik behandelt wurde. Aufgrund der belehrenden und aufklärerischen Themen ähnelt die Zeitschrift noch sehr den „Moralischen Wochenschriften“ aus dem 18. Jahrhundert. Die politische Richtung war radikal-demokratisch. Somit dauerte es nicht lang, bis die Zensur das Ende der Zeitschrift verursachte. Schon die dritte Ausgabe wurde beschlagnahmt und die Zeitschrift verboten. Die Frauen-Zeitung war keine direkt an Frauen gerichtete Zeitschrift. Die Forschung ist sich einig, dass es sich bei ihr, vor allem inhaltlich, um eine Fortsetzung der verbotenen „Neuen Kölnischen Zeitung“ handelte.
Anneke war bereits einmal geschieden und aktiv an den Revolutionsaufständen in Deutschland beteiligt. Sie wird der frühkommunistischen Bewegung zugeteilt und unterhielt Kontakt zu Karl Marx. Aus diesem Grund musste sie aus Deutschland fliehen: Sie ging in die Vereinigten Staaten und wurde dort eine berühmte Vorkämpferin der amerikanischen Frauenbewegung. nach oben ↑

Louise Aston

Holzstich von Louise Aston mit kurzen Haaren in der Mitte des 19. Jahrhunderts
Louise Aston um die Mitte des 19. Jahrhunderts

Louise Aston wurde im Dezember 1848 aus Berlin ausgewiesen und offiziell als „staatsgefährdende Person“ bezeichnet. Gründe waren ihre heftige Kritik gegen den Oberbefehlshaber der Berliner Belagerungsgruppe, General Friedrich von Wrangel, und eine Berichterstattung über den Feldzug in Schleswig-Holstein. Diese Artikel hatten auch das Verbot ihrer Zeitschrift „Der Freischärler. Für Kunst und sociales Leben“ zur Folge, die nur sechs Mal erscheinen konnte.
Der „Freischärler“ erschien vom 1. November 1848 bis zum 16. Dezember 1848 wöchentlich. Er beinhaltete Gedichte, Theaterkritiken, Berichte aus der Nationalversammlung und Kommentare zur Tagespolitik. Dabei kritisierte Aston offen die fortschrittlichen Männer und die Staatsordnung: Sie gilt als radikale Demokratin der äußersten Linken. Aston kämpfte nicht nur durch ihre Zeitung für die Sache der Demokratie, sie nahm auch als Freischärlerin am deutsch-dänischen Krieg teil. Nachdem die Revolution von der Staatsgewalt beendet wurde, zog sie sich literarisch und publizistisch vollkommen zurück.
Auch der „Freischärler“ war keine speziell für Frauen veröffentlichte Zeitschrift. Der primäre Inhalt betraf die Tagespolitik, die Frauenfrage tauchte zwar in Gedichten und Artikeln auf, spielte aber keine übergeordnete Rolle. nach oben ↑

Louise Dittmar

Ab Januar 1849 erschien monatlich die „Soziale Reform“ von Louise Dittmar, jedoch auch nur innerhalb einer recht kurzen Zeit von Januar bis April 1849. Warum die „Soziale Reform“ eingestellt wurde, ist nicht bekannt. Es gibt keine Hinweise, dass sie verboten wurde Ulla Wischermann sieht als mögliche Gründe die in der Zeitschrift formulierte Kritik am Patriarchat und den radikalen Ton der Artikel. Auch Dittmar wird, wie Louise Aston, zum Kreis der äußersten Linken gerechnet.
Dittmar wuchs in einer liberal-demokratisch gesinnten Familie auf. In ihrer Zeitschrift verurteilte sie die Unmündigkeit der Frauen. Bei den Freiheits- und Unabhängigkeitsgedanken dieser Zeit seien die Frauen vergessen worden. Andere von ihr behandelte Themen waren die Monarchie, das Wesen der Ehe, die politischen Entwicklungen sowie Kirche und Staat. Unterstützt wurde sie dabei unter anderem von ihrem Verleger Otto Wigand in Leipzig, Julius und Karl Fröbel, die für ihre Zeitschrift Artikel verfassten, und Louise Otto-Peters, mit der sie Kontakt hielt. Nach dem Ende ihrer Zeitschrift zog auch Dittmar sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück.

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Literatur und Auswahlbibliografie:

  • Brinker-Gabler Gisela (Hrsg.): Deutsche Literatur von Frauen. Zweiter Band, 19. und 20. Jahrhundert, München 1988.
  • Geiger, Ruth-Esther Weigel, Sigrid: Sind das noch Damen? Vom gelehrten Frauenzimmer-Journal zum feministischen Journalismus, München 1981.
  • Gerhardt, Ute: Unerhört. Die Geschichte der deutschen Frauenbewegung, Reinbek bei Hamburg, 1992.
  • Möhrmann, Renate: Die andere Frau. Emanzipationsansätze deutscher Schriftstellerinnen im Vorfeld der Achtundvierziger-Revolution, Stuttgart 1977.
  • Ulla Wischermann: „Das Himmelskind, die Freiheit- wir ziehen sie gross zu Haus“. In: Claudia Opitz , Elke Kleinau (Hrsg.): Geschichte der Mädchen- und Frauenbildung: Bd.2: Vom Vormärz bis zur Gegenwart, Frankfurt am Main 1996, S. 35-50.
  • Ulla Wischermann: Die Presse der deutschen Frauenbewegung 1848-1918. Anregungen zur Erforschung einer fast vergessenen Öffentlichkeit. In: Elger Blühm, Hartwig Gebhardt: Presse und Geschichte. Neue Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung, München, London uvm., 1987, S. 349-363.
  • Ulla Wischermann: Frauenbewegung und Öffentlichkeit vor und während der deutschen Revolution von 1848. In: Kurt Imhof, Peter Schulz (Hrsg.) Kommunikation und Revolution, Zürich 1998, S. 57-74.