Macht Geschichte lernen heutzutage überhaupt noch Sinn?

Beitrag vom 16. Mai 2013 | verfasst von Gastautor


Informationsflut mit Geschichte gegensteuern
Das Geschichtsstudium hilft maßgeblich dabei, der alltäglichen Informationsflut Herr zu werden. Foto: Gerd Altmann / Pixelio.de

Manche Menschen stellen heutzutage den Sinn eines Geschichtsstudiums generell in Frage; Dabei fallen schnell Stichwörter wie „Brotlose Kunst“ oder „studierter Taxifahrer“. Das Team von Geschichte-lernen.net aber meint: Geschichte lernen macht gerade heutzutage Sinn. Denn der Historiker schafft es, die massive Informationsflut der heutigen Mediengesellschaft, zu ordnen und zu steuern. Zu dieser Flut der Informationen trägt im Moment vor allem das Internet, aber auch andere moderne Medien, besonders bei. So steigt gerade in der reizüberfluteten Welt von heute der Wert von Auseinandersetzung mit der Geschichte. Historiker werden mehr gebraucht als je zuvor!

Während des Geschichtsstudiums kann es schon einmal vorkommen, dass der eifrig Bücher wälzende und angehende Historiker gefragt wird, weshalb er denn überhaupt dieses recht einsame Fach studiert? Schnell fallen dabei bezeichnende Worte wie „brotlose Kunst“ und „studierter Taxifahrer“ – die Studenten angrenzender (Geistes-)Wissenschaften können hiervon wohl ebenfalls ein Lied singen.

Und wir von www.geschichte-lernen.net sind nicht nur deshalb davon überzeugt, dass ein Geschichtsstudium und das Geschichte Lernen auch bzw. gerade heute durchaus Sinn macht, da wir selbst (angehende) Historiker sind und unser Studium ex-post rechtfertigen wollen; sondern weil wir in einer immer schneller werdenden Mediengesellschaft den Wert der Auseinandersetzung mit der Geschichte bzw. verschiedenen Geschichten erkannt haben.

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Bedeutung von Geschichte in der heutigen Mediengesellschaft

Letztlich geht es nämlich in der Geschichte darum, das Wesentliche in Bezug auf verschiedenste Themen ausfindig zu machen; Informationen zu sortieren, zu strukturieren und zu interpretieren. Mit Blick auf das Internet erkennt der Informationskritische schnell, dass es bei der gigantischen Informationsflut auch sehr viel Obsoletes gibt, und bisweilen wichtige und richtige Daten neben völlig belanglosen oder gar falschen stehen.

Die Hitler-Tagebücher und fehlende Quellenkritik

Hier sind Kompetenzen gefragt, um die jeweiligen Quellen kritisch auf ihren tatsächlichen Gehalt hin überprüfen zu können. Und ein Historiker sollte es nach einigen Jahren gelernt haben, Quellen kritisch zu studieren. Einem Studenten der geschichtlichen Hilfswissenschaften wäre etwa der damalige Fauxpas in Bezug auf die Hitler-Tagebücher nach kritischer Sichtung des Materials nicht unterlaufen; doch dies ist nur eines der vielen Beispiele, die auf eine ungenügende Quellenkritik durch Verantwortliche in der Medienwelt zurück gehen:

Falschmeldungen in unserem schnellen Informationsalltag sind an der Tagesordnung und blicken zudem auf eine lange Tradition zurück. So wurden etwa im Vorfeld des Untergangs der Titanic zahlreiche Meldungen kolportiert, die mit der Realität nicht viel zu tun hatten: laut manch einer Zeitung wurden etwa alle Passagiere gerettet (obwohl aufgrund fehlender Informationen keine gesicherten Kenntnisse vorliegen konnten).


Youtube-Video zu den gefälschten Hitler-Tagebüchern: Interview mit Konrad Kujau, der von Thomas Gottschalk zu seiner Fälschungskunst befragt wurde

Hoaxes in der modernen Online-Welt

Schon damals waren die Verleger auf die (schnelle) Gunst der Leser angewiesen und druckten denn auch schon einmal nur die halbe Wahrheit so wie es in manch einem Zeitungshaus bisweilen noch heute der Fall sein soll…Falschmeldungen gibt es gerade im Internet zuhauf – sogenannte Hoaxes verbreiten sich in Sekundenschnelle (dem viralen Effekt sei es gedankt), sodass selbst großen Zeitungen manchmal nichts anderes übrig bleibt als auf den Zug aufzuspringen, um „aktuell“ zu bleiben.

Da wäre die professionelle Gelassenheit des Historikers oft nicht verkehrt, welcher zunächst auf Quellensuche geht, um noch mehr über die (scheinbaren) Tatsachen herauszufinden und erst einmal alles Gefundene auf den Prüfstand stellt. Und so viel Zeit sollte selbst heute noch bleiben, um nicht jeder Sau hinterherzurennen, die durch das virtuelle Dorf getrieben wird.


Der Autor dieses Beitrags John Rüth hat vor Kurzem sein Magisterstudium der neueren und neuesten Geschichte an der LMU München absolviert und versucht schon seit geraumer Zeit, das Internet (u.a. auch zu geschichtlichen Themen) mit lesenswerten Inhalten zu “bereichern”.

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